Nasenarbeit statt nur herumschnüffeln

Bekommt ein Hund nicht die nötige Beschäftigung, sucht er sich etwas, das ihm Spass macht. Oft handelt es sich dabei nicht unbedingt um Dinge, die dem Menschen ebenfalls Freude bereitet. Den Hund auch mal Hund sein und ihn auf dem Spaziergang herumschnüffeln und stöbern lassen, dies verstehen viele Menschen unter Auslastung. Nicht selten hören wir Aussagen wie «wir gehen viermal täglich spazieren, ausgelastet ist er». Leider nein. Spazieren ist ein menschliches Bedürfnis, welches wir auf unsere Hunde projizieren. Für den Hund ist spazieren etwas, das er einfach mitmacht, er aber nicht von sich aus tun würde, hätte er die Wahl. Seine Nase einsetzen ist für den Hund immer spannend. Trotzdem ist nur ziellos herumschnüffeln für den Hund unbefriedigend. Denn wenn er wirklich etwas für ihn Spannendes wittert, wie zum Beispiel ein Reh, wird er von seinem Menschen gemassregelt, damit er das sein lässt, denn der Hund darf natürlich nicht einfach so jagen gehen. Der Widerspruch besteht also darin, dass der Mensch das Schnüffeln und Herumstörbern seines Hundes akzeptiert, der Hund allerdings die weiterführenden jagdlichen Ambitionen nicht zeigen darf. Die wenigsten wissen, dass Schnüffeln und Stöbern bereits Stufe eins des Jagdverhaltens sind. Dass es dem Hund entsprechend schwerfällt, von einer Spur abzulassen, ist mit diesem Wissen verständlich, denn genauso schwer würde es uns fallen, wenn wir an einem leckeren Eis riechen, aber nicht davon kosten dürfen.


Wird der Hund artgerecht beschäftigt, indem wir beispielsweise mit ihm im Wald zur Nahrungsbeschaffung unterwegs sind, kann man sein natürliches Jagdverhalten kanalisieren und umlenken. Nebenbei wird die Orientierung am Menschen gefördert und die Bindung gestärkt. Trotzdem gilt: Egal wie viel Spass diese gemeinsame Beschäftigung macht, der Hund braucht täglich 17-20 Stunden Ruhe. Kein Hund jagt täglich ein bis zwei Stunden am Stück. Weiss man auf was man achten muss, hat man einen zufriedenen, ausgeglichenen Hund.


Welche Beschäftigung ist die richtig für den Hund? Könnten unsere Hunde tun und lassen was ihnen beliebt, würden sie mit dem Ziel der Nahrungsbeschaffung im Wald unterwegs sein. Da der Hund das nicht darf, weil es von der Gesellschaft nicht gewünscht ist, kann diese Motivation für eine sinnvolle Nasenarbeit genutzt werden. Eins vorab: Unabhängig davon wie viel Freude die gemeinsame Beschäftigung dir und deinem Hund macht, übertreibe es nicht. Der Hund als Fleischfresser würde sich trotz aller Freiheit nicht den ganzen Tag mit Jagen beschäftigen, denn er hat ein grosses Ruhebedürfnis. Darum macht es Sinn, den Hund kurz aber intensiv zu beschäftigen. Das heisst, eine intensive Futterjagd, bei der der Hund seine Nase einsetzen und Spuren verfolgen kann, dauert im Idealfall nicht länger als 20 Minuten. Danach ist der Hund glücklich für den Rest des Tages und denkt sich am Abend vor dem Einschlafen "geil wars"!


Sandra Greber




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