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Individuelles Hundetraining oder „Wir waren schon bei so vielen Trainer. Nichts hat geholfen.“

1. Okt.
2 Min. Lesezeit

Diesen Satz hören Hundetrainer:innen immer wieder. Und ja, ich bin bekanntermassen der Meinung: Viele Wege führen nach Rom. Aber mindestens genauso viele führen irgendwo ins Nirgendwo.


Solange es darum geht, dass der Rückruf noch nicht hundertprozentig sitzt, der Hund an der Leine zieht oder beim Anblick eines Hasen kurzzeitig aufgeregt ist, spielt es vielleicht keine lebensverändernde Rolle, wenn die Trainingsmethode nicht zuverlässig funktioniert oder es kein individuelles Hundetraining ist.


Doch spätestens dann, wenn die Probleme grösser, komplexer und belastender werden, trennt sich in der Trainerlandschaft relativ schnell die Spreu vom Weizen.


Individuelles Hundetraining
Individuelles Hundetraining bedeutet individuelle Lösungsansätze für jedes Team.

Wenn dein Hund kaum Selbstregulation zeigt, bei Hunde- oder Menschenbegegnungen komplett ausrastet, Ressourcen massiv verteidigt, keine Sekunde alleine bleiben kann oder sein Verhalten euren Alltag zunehmend bestimmt, dann kommt man mit Schema F in der Regel nicht besonders weit.


Denn für komplexe Probleme braucht es umfassende Lösungsansätze und individuelles Hundetraining. Es reicht dann nicht, lediglich an dem Verhalten zu arbeiten, das gerade sichtbar und für den Menschen unangenehm ist. Und es reicht häufig auch nicht, sich auf einzelne Trainingsinstrumente zu beschränken – unabhängig davon, ob der jeweilige Ansatz hauptsächlich auf Belohnung und Verstärkung erwünschten Verhaltens, Management, Ablenkung, Begrenzung oder Korrektur setzt.


Die entscheidende Frage lautet: „Warum verhält sich genau dieser Hund bei genau diesem Menschen in genau dieser Situation so?“


Denn Hunde sind keine Ansammlung von Verhaltensweisen, die wir mit der richtigen Trainingsanleitung beliebig umprogrammieren können. Sie bringen Genetik, Persönlichkeit, Lernerfahrungen, Bedürfnisse, Emotionen, Strategien und individuelle Fähigkeiten mit. Und dann treffen sie auf einen Menschen, der ebenfalls seine eigene Persönlichkeit, seine Geschichte, seine Möglichkeiten und seine Grenzen hat. Daraus entsteht eine Beziehung.


Und deshalb halte ich auch wenig von dem pauschalen Ratschlag: „Du musst dich halt ändern.“


Natürlich lohnt es sich, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Natürlich können wir verbindlicher, ruhiger oder verständlicher im Umgang mit unserem Hund werden. Und manchmal müssen tatsächlich wir Menschen etwas verändern, damit sich beim Hund etwas verändern kann. Aber kein Mensch kann dauerhaft jemand sein, der er nicht ist.


Eine nachhaltige Lösung muss deshalb nicht nur zum Hund passen. Sie muss auch zum Menschen und zu dessen Alltag passen. Was Menschen mit Hunden brauchen, deren Verhalten belastend, störend oder massiv einschränkend geworden ist, ist jemanden, der genau hinschaut, sich mit dem Ausdrucksverhalten von Hunden hervorragend auskennt und in der Lage ist, Beziehungsstrukturen einzuordnen.


Was ist die Ursache des unerwünschten Verhaltens? Was hält es aufrecht? Welche Rolle spielen Erregung, Frustration, Unsicherheit, Lernerfahrungen, Bedürfnisse oder fehlende Fähigkeiten? Welche Dynamik besteht zwischen Hund und Mensch? Was funktioniert bereits? Wo liegen die Grenzen des Machbaren? Und welche Veränderungen sind im Alltag überhaupt realistisch?


Erst daraus entsteht ein Lösungsweg, der nicht für „Hunde mit Problemverhalten“ gemacht wurde, sondern für diesen einen Hund mit diesem einen Menschen.


Deshalb bedeutet „Wir haben schon so viel ausprobiert“ noch lange nicht, dass es keine Lösung gibt. Vielleicht wurde bisher einfach noch nicht genau genug hingeschaut. Denn einen sinnvollen Weg zu einem entspannteren Alltag für Hund und Mensch gibt es auch bei schwierigen Themen. Dieser Weg sieht aber für jedes Mensch-Hund-Team anders aus. Und es braucht einen Menschen, der die Veränderung wirklich will und bereit ist, nachhaltig dranzubleiben.


 
 
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